people4project MAGAZIN

Informatives für freiberufliche IT Fachkräfte, Freelancer und Projektsuchende

Was ist eigentlich ein Gewerbeschein - und brauche ich den?

Was ist eigentlich ein Gewerbeschein - und brauche ich den?

Jeder IT-Selbstständige ist ein Unternehmer – aber nicht jeder Unternehmer betreibt ein Gewerbe. Deshalb braucht auch nicht jeder IT-Dienstleister einen Gewerbeschein: Freiberufler und ähnliche Selbstständige können sich die Anmeldung ihrer Tätigkeit beim Gewerbe- oder Ordnungsamt sparen. Wir erläutern die wichtigsten Status-Unterschiede und deren Folgen.

Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes, einer Zweigniederlassung oder einer unselbständigen Zweigstelle anfängt, muss dies der zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen." So steht es in § 14 Gewerbeordnung (GewO). Die Anmeldung des Gewerbebetriebs wird von der zuständigen Behörde (in der Regel dem Gewerbe- oder Ordnungsamt der Gemeinde) schriftlich bestätigt. Genau das ist der berühmte Gewerbeschein.

Bevor Sie sich gleich auf den Weg zum Amt machen, die gute Nachricht vorweg: Manche IT-Dienstleister gelten als Freiberufler – und die brauchen überhaupt keinen Gewerbeschein!


Im Zweifel für die Freiberuflichkeit.

Freiberufler haben's gut:

  • Sie üben kein Gewerbe aus,
  • brauchen keinen Gewerbeschein,
  • zahlen keine Gewerbesteuer,
  • können sich die kaufmännische Buchführung und Bilanzen sparen und
  • sind auch nicht Pflichtmitglieder in der Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer.

Angehörige klassischer freier Berufe (z. B. Ärzte, Architekten und Rechtsanwälte) müssen zwar auch Mitglied in einer speziellen berufsständische Kammer werden. Für die meisten IT-Freiberufler gibt es jedoch keine Kammer-Zwangsmitgliedschaft!

Andererseits zeigt eine genauere Betrachtung, dass die genannten Freiberufler-Privilegien oft überschätzt werden (mehr dazu bei nächster Gelegenheit in einem eigenen Beitrag). Trotzdem gilt: Im Zweifel stehen sich Freiberufler besser als Gewerbetreibende.


IT-Freiberufler oder IT-Gewerbe?

Nur: Was ist der Unterschied zwischen einem IT-Freiberufler und einem gewerblichen IT-Dienstleister? Eine eindeutige rechtliche Unterscheidung gibt es nicht. Die Besteuerung von Gewerbetreibenden ist in § 15 EStG geregelt („Einkünfte aus Gewerbebetrieb"). Mit den Steuerpflichten der freien Berufe befasst sich § 18 EStG („Einkünfte aus selbständiger Arbeit"):

„Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe."

Angehörigen einer im Gesetz ausdrücklich erwähnten Berufsgruppe (= „Katalogberufe") fällt es erfahrungsgemäß leichter, als Freiberufler anerkannt zu werden. Bei Spezialisten und Beratern in der IT-Branche gilt das insbesondere für Ingenieure oder Betriebswirte. Da Informatiker und ähnliche akademische Abschlüsse im Bereich der Informations- und Datenverarbeitung in der Freiberufler-Liste fehlen, müssen sie oft vor Gericht um ihren Status kämpfen.

Wichtig: Entscheidend ist im Zweifel nicht der Berufsabschluss, sondern die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit! Freie und „ähnliche Berufe" setzen eine besondere (in der Regel akademische) Qualifikation oder schöpferischer Begabung voraus. Freiberufliche Dienstleistungen werden persönlich, eigenverantwortlich, fach- und weisungsunabhängig erbracht.

Bitte beachten Sie: Was Sie tun müssen, um in Ihrem konkreten Fall den Freiberufler-Status plausibel zu machen, besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater. Garantiert keinen Gefallen tun Sie sich jedoch, wenn Sie in vorauseilendem Gehorsam ohne Not ein Gewerbe anmelden! Falls Sie noch unsicher sind, dürfen Sie trotzdem loslegen: Sofern Sie sich beim Finanzamt als IT-Freiberufler anmelden (z. B. mit der Tätigkeits-Beschreibung „IT-Beratung im Bereich Systemsoftwareentwicklung"), sind Sie erst einmal auf der sicheren Seite. Weitere Informationen zur Anmeldung beim Finanzamt finden Sie im Beitrag Gründer-Fragebogen: Finanzamt fragt Freelancer.


So bekommen Sie Ihren Gewerbeschein

Zurück zum Gewerbeschein. Wenn Sie in einem eindeutig gewerblichen Bereich arbeiten, ist die Gewerbe-Anmeldung meistens schnell erledigt:

  • Die Anmelde-Gebühren sind erschwinglich: Je nach Standort liegen sie zwischen 15 und 50 Euro.
  • Genehmigungen, Zulassungen oder gar Eignungsprüfungen brauchen Gewerbetreibende in der IT-Branche normalerweise nicht.
  • Sie nehmen Ihren Personalausweis oder Ihren Reisepass, gehen zum Gewerbe- oder Ordnungsamt Ihrer Gemeinde und füllen dort ein einseitiges Gewerbeanmeldungs-Formular „GewA1" aus. Manche Städte ermöglichen inzwischen auch Online-Gewerbeanzeigen.

Die meisten Angaben des Meldevordrucks sind selbsterklärend:

  • Zeile 1 können Sie als IT-Freelancer freilassen, weil Sie nicht im Handels- und anderen Registern eingetragen sind.
  • In Zeile 3 bis 9 tragen Sie Ihre persönlichen Daten sowie Ihre Privatanschrift ein.
  • Die Zeilen 10, 11, 13 und 14 können IT-Freelancer in der Regel ignorieren.
  • In Zeile 12 tragen Sie die Anschrift und Kommunikationsdaten Ihrer (eigenen) Betriebsstätte ein. Falls Sie im Home Office arbeiten, wiederholen Sie Ihre Privatanschrift.
  • Zeile 15 ist Dreh- und Angelpunkt der Gewerbeanmeldung: Die „Angemeldete Tätigkeit" sollte nicht allzu speziell sein. Sie dürfen dort (oder auf einem Beiblatt) auch mehrere Angaben eintragen (z. B. „IT-Beratung, Web-Design und -Programmierung").
    Bitte beachten Sie: Je genauer Sie Ihre Tätigkeit eingrenzen, desto eher sind Änderungen erforderlich. Bei Änderungen an der Art der Tätigkeit(en) sind Sie nämlich verpflichtet, eine wiederum kostenpflichtige „Gewerbe-Ummeldung" vorzunehmen. In der müssen Sie dann sowohl die neu ausgeübte(n) als auch die weiterhin ausgeübte(n) Tätigkeiten anmelden.
  • In Zeile 16 geben Sie an, ob Sie die angemeldete Selbstständigkeit als Haupt- oder Nebentätigkeit ausüben.
  • In Zeile 17 tragen Sie ein, wann Sie mit Ihrem Gewerbebetrieb beginnen. Bitte achten Sie darauf, dass das Datum in der Zukunft liegt. Falls Sie Ihre Tätigkeit bereits vor der Anmeldung aufgenommen haben, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit.
  • In Zeile 18 machen Sie Angaben über die Art des Betriebs: Selbstständige IT-Tätigkeiten fallen in die Rubrik „Sonstiges".
  • In Zeile 19 wird die Zahl der Mitarbeiter (ohne Inhaber) abgefragt.
  • In Zeile 23/24 geben Starter in die Selbstständigkeit als Grund der Gewerbe-Anmeldung „Neugründung" an.
  • Die Angaben über Erlaubnisse und Genehmigungen in den Zeilen 28 bis 31 sind bei IT-Freelancern meistens entbehrlich. Unverzichtbar hingegen sind Datum und Unterschrift in den Zeilen 32 und 33.

Nachdem Sie das Formular ausgefüllt und unterschrieben haben, prüft der Beamte die Angaben gleich auf Vollständigkeit. Eventuell fehlende Angaben können Sie vor Ort ergänzen. Innerhalb weniger Tage nach Eingang der Gewerbeanzeige bekommen Sie von der Behörde eine Empfangsbestätigung: Das ist Ihr Gewerbeschein. Wie die Meldeprozedur zum Beispiel in der Hauptstadt aussieht, zeigt ein Erklärvideo der IHK Berlin.

Noch ein Hinweis: Wundern Sie sich nicht, wenn Sie im Laufe der nächsten Wochen auch noch Post von anderen Ämtern bekommen. Je nach betrieblichen Besonderheiten informiert das Ordnungsamt andere Behörden und Institutionen über Ihre Gewerbeanmeldung – darunter insbesondere …

  • das Finanzamt (schickt Ihnen den achtseitigen „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" und teilt Ihnen Ihre betriebliche Steuernummer mit),
  • die Industrie- und Handelskammer (bei Handwerksbetrieben die Handwerkskammer) informiert Sie über Kammerleistungen und verlangt von Ihnen Mitgliedsbeiträge sowie
  • (falls Sie Mitarbeiter haben) die Arbeitsagentur und die Berufsgenossenschaft (gesetzliche Unfallversicherung).

Weiterführende Starter-Lektüre
     
Gründer-Fragebogen: Finanzamt fragt Freelancer
Gründungs-Vorlaufkosten: Belege sammeln lohnt sich!
Wann ist ein Freiberufler selbständig?

Welche Steuern beim Start in die Selbstständigkeit auf Sie zukommen, was bei Rechnungen, Umsatzsteuervoranmeldungen, Gewinnermittlung und anderen Steuer- und Rechtsfragen zu beachten ist, erläutern wir demnächst in weiteren P4P-Praxistipps: Stay tuned!

Bewerte diesen Beitrag:
1
Gründungs-Vorlaufkosten: Belege sammeln lohnt sich...
Gründer & Finanzamt: Welche Steuern muss ich zahle...
 

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden
Bereits registriert? Hier einloggen
Gäste
Samstag, 29. April 2017

Über people4project

wir sind IT Recruiting-Spezialisten für die Besetzung von Projekten oder temporären Einsätzen mit Freelancer. Das Recruiting von IT Positionen wird durch ein starkes Leistungsspektrum im Bereich Ressourcenmanagement vervollständigt.