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Wann ist ein Freiberufler selbständig?

Wann ist ein Freiberufler selbständig?

Die Unterscheidung zwischen gewerblicher und freiberuflicher Tätigkeit gehört in die Zuständigkeit des Finanzamtes und kann mit Hilfe von Tätigkeitsbeschreibungen oder auch einer Betriebsprüfung erfolgen. Die Einstufung als Selbständiger hingegen wird von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) geprüft.



Das Einkommenssteuergesetz gibt die Regeln für die Einstufung einer Selbständigkeit vor, entweder greift § 15 für Gewerbetreibende oder § 18 EStG für Freiberufler. Diese Entscheidung wirkt sich nicht nur auf die Steuerpflicht aus, denn ein Gewerbetreibender ist gewerbe- und einkommenssteuerpflichtig - ein Freelancer hat lediglich seinen in einer einfachen Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermittelten Gewinn im Rahmen der Einkommenssteuererklärung zu deklarieren. Darüber hinaus ist nämlich nicht einmal eine Gewerbeanmeldung notwendig, die Anmeldung beim Finanzamt reicht für die Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit aus - ebenso wenig sind Beiträge an die IHK zu bezahlen.



Im § 18 EStG ist eine ganze Reihe von freiberuflichen Tätigkeiten, wie beispielsweise selbstständig ausgeübte künstlerische, wissenschaftliche, ingenieurmäßige oder schriftstellerische Tätigkeiten sowie Katalogberufe, festgeschrieben. Allerdings stoßen die gesetzlichen Regelungen insbesondere bei den neuen IT-Berufen an ihre Grenzen, so lange ein einschlägiger Studienabschluss fehlt. Für die Anerkennung als Freiberufler sollten Sie also plausibel darlegen können, dass Sie über adäquate Kenntnisse verfügen und einer mit einem Ingenieur vergleichbare Tätigkeit nachgehen.



Ein weiterer Aspekt ist allerdings die Scheinselbständigkeit, die insbesondere die Deutsche Rentenversicherung (DRV) dringend interessiert: Um dem Missbrauch von Werkverträgen entgegenzuwirken, plant die Bundesregierung eine Initiative zur Überprüfung entsprechender Tätigkeiten im Niedriglohnsektor. Da die Gesetzesvorlage bislang allerdings relativ allgemein gehalten ist, könnte auch eine ganze Reihe von IT-Freelancern davon betroffen sein. Sobald sich ein Auftragsverhältnis in die Nähe eines klassischen Angestelltenvertrages rücken lässt, wird dann eine Statusfeststellung angestrengt - im Ernstfall wird der Freelancer als Arbeitnehmer eingestuft, was nicht nur in Bezug auf die Sozialversicherungen empfindliche Konsequenzen zur Folge hat.



Um diesem Anschein zu entgehen, sollten Sie regelmäßig Aufträge über eine Projektbörse beziehen und nicht mehr als fünf Sechstel Ihres Einkommens von einem Auftraggeber beziehen. Darüber hinaus zählen aber auch andere Faktoren aus der gelebten Praxis, wie beispielweise die Weisungsgebundenheit, die Bindung an bestimmte Arbeitszeiten, Arbeitsorte oder an eine vorgeschriebene Hard- oder Software, bei der Beurteilung der Selbständigkeit eines Freelancers. Hat der Auftraggeber nämlich derartige Befugnisse, die Tätigkeit des Freelancers zu steuern und zu kontrollieren, dürfte er ohne Mühe als Arbeitgeber eingestuft werden - mit all den Verpflichtungen zur Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge. Und darauf zielt die Gesetzesinitiative letztendlich ab, auch wenn das Vorhaben bislang aufgeschoben werden konnte. Sinnvoll ist es in jedem Fall, sich von vornherein auf eine mögliche Überprüfung vorzubereiten.

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Samstag, 29. April 2017

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